Was ist ein Lastgang?
Wer seine Stromrechnung nur nach der Jahresmenge beurteilt, sieht einen Teil des Bildes. Der Lastgang zeigt zusätzlich, zu welchem Zeitpunkt Ihr Betrieb wie viel Leistung bezieht. Für Betriebe mit registrierender Leistungsmessung ist er eine zentrale Grundlage für Kosten und Angebote.
Viertelstundenwerte als Verbrauchskurve
Bei Kunden mit registrierender Leistungsmessung speichert der Zähler beim Strom für jede Viertelstunde einen Messwert. Über ein Jahr entstehen so mehr als 35.000 Einzelwerte. Trägt man sie in einem Diagramm auf, ergibt sich eine Kurve, die Arbeitstage, Wochenenden, Betriebsferien und saisonale Unterschiede sichtbar macht.
Der Lastgang beantwortet Fragen, die eine Jahresrechnung offen lässt: Wann beginnt der Betrieb morgens Leistung zu ziehen? Wie hoch ist die Grundlast nachts oder am Wochenende? Zu welchen Zeiten entstehen die höchsten Werte? Ob Ihr Betrieb gemessen oder nach Profil abgerechnet wird, erklären wir im Artikel RLM oder SLP.
Woher bekommen Sie den Lastgang?
Der Messstellenbetreiber erfasst die Messwerte und stellt sie dem Netzbetreiber und dem Lieferanten zur Verfügung. Häufig ist der örtliche Netzbetreiber zugleich Messstellenbetreiber. Als Anschlussnutzer können Sie Ihre Lastgangdaten dort anfordern. Manche Netzbetreiber bieten dafür ein Kundenportal an, andere verschicken die Daten auf Anfrage.
Auch Ihr aktueller Lieferant verfügt über die Werte, weil er sie für die Abrechnung benötigt. Bitten Sie möglichst um die Daten der letzten zwölf Monate in einem gängigen Tabellenformat. Halten Sie Zählernummer und Marktlokations-ID bereit. Bei einer Vollmacht kann auch Ihr Berater die Daten für eine Ausschreibung anfragen.
Prüfen Sie die erhaltenen Daten auf Vollständigkeit. Fehlende Tage, doppelte Zeitstempel bei der Zeitumstellung oder Ersatzwerte sind nicht ungewöhnlich, sollten aber bekannt sein, bevor Sie Schlüsse ziehen oder die Daten an Versorger weitergeben. Achten Sie außerdem auf die Einheit: Manche Dateien enthalten Leistungswerte in Kilowatt, andere die Energiemenge je Viertelstunde in Kilowattstunden. Für einen Vergleich über mehrere Jahre sollten Format und Einheit übereinstimmen.
Lastspitzen und ihr Einfluss auf die Kosten
Die teuerste Viertelstunde
Im Netzentgelt von RLM-Kunden fällt neben dem Arbeitspreis in der Regel ein Leistungspreis an. Er bemisst sich an der höchsten gemessenen Viertelstundenleistung im Abrechnungszeitraum. Diese eine Spitze wird mit dem Leistungspreis des Netzbetreibers multipliziert, unabhängig davon, wie selten sie auftritt. Ein einziger ungünstiger Moment kann damit die Netzkosten eines ganzen Jahres beeinflussen.
Wie stark die Wirkung ausfällt, hängt von der Preisstruktur Ihres Netzbetreibers und von der Benutzungsdauer ab, also vom Verhältnis zwischen Jahresmenge und Höchstleistung. Die genauen Werte finden Sie im Preisblatt des Netzbetreibers. Ein Blick in den Lastgang zeigt, ob Ihre Spitze regelmäßig erreicht wird oder auf einzelne Ereignisse zurückgeht.
Typische Muster in Betrieben
Jede Branche hat ihr eigenes Profil. Im Schichtbetrieb entstehen Spitzen häufig beim Schichtwechsel oder beim gleichzeitigen Anfahren mehrerer Maschinen nach Pausen. In der Gastronomie konzentriert sich der Bedarf auf die Zeiten vor und während des Service, wenn Küchengeräte, Spülmaschinen und Lüftung gleichzeitig laufen. Mehr dazu auf unserer Seite Energie für Gastronomie & Hotels.
Betriebe mit Kühlung zeigen oft eine hohe Grundlast rund um die Uhr, ergänzt um Spitzen bei hohen Außentemperaturen oder nach dem Beladen von Kühlräumen. Bürobetriebe haben meist ausgeprägte Arbeitstagskurven mit niedrigem Wochenendniveau. Ungewöhnlich hohe Nacht- oder Wochenendwerte können auf Geräte hinweisen, die unbemerkt weiterlaufen.

Maßnahmen gegen Spitzen
Organisatorische Ansätze
Häufig lassen sich Spitzen schon durch Abläufe glätten. Werden große Verbraucher nicht gleichzeitig, sondern zeitversetzt eingeschaltet, sinkt die höchste Viertelstundenleistung. Das betrifft etwa Kompressoren, Öfen, Lüftungsanlagen oder Ladepunkte für Firmenfahrzeuge. Auch die Reihenfolge beim morgendlichen Hochfahren der Produktion kann einen Unterschied machen.
Voraussetzung ist, dass die Ursache einer Spitze bekannt ist. Vergleichen Sie die Zeitpunkte im Lastgang mit Schichtplänen, Lieferzeiten oder Wartungsarbeiten. Ob eine Maßnahme wirkt, sehen Sie im Lastgang der folgenden Monate. Vorsicht bei Eingriffen, die Produktionsqualität oder Arbeitssicherheit berühren: Hier sollte die Fachabteilung mitentscheiden.
Technisches Lastmanagement und Speicher
Ein automatisches Lastmanagement überwacht die aktuelle Leistung und schaltet definierte Verbraucher kurzzeitig ab oder drosselt sie, bevor ein Grenzwert erreicht wird. Geeignet sind Anlagen, die eine kurze Unterbrechung vertragen, etwa Heizstäbe, Klimaanlagen oder Ladeinfrastruktur. Batteriespeicher können Leistung in Spitzenzeiten zusätzlich bereitstellen.
Ob sich eine Investition rechnet, hängt vom Netzentgelt, der Häufigkeit der Spitzen und den Anschaffungskosten ab. Pauschale Einsparversprechen sind deshalb nicht seriös. Lassen Sie sich eine Berechnung auf Basis Ihres eigenen Lastgangs vorlegen und prüfen Sie Annahmen zu Laufzeit, Wartung und Förderung.
Bevor Sie in Technik investieren, lohnt sich ein Blick auf einfache Ursachen. Manchmal entsteht die Jahreshöchstleistung durch einen einmaligen Vorgang, etwa einen Probelauf nach einer Reparatur. Dann hilft eher eine Abstimmung mit Handwerkern oder Wartungsdienstleistern als eine dauerhafte Anlage.
Den Lastgang selbst auswerten
Für eine erste Auswertung genügt oft eine Tabellenkalkulation. Sortieren Sie die Viertelstundenwerte nach Höhe und betrachten Sie die obersten Einträge: Treten sie an denselben Wochentagen oder zur selben Uhrzeit auf, deutet das auf einen wiederkehrenden Ablauf hin. Vereinzelte Spitzen an ungewöhnlichen Tagen können dagegen auf Störungen, Wartungsarbeiten oder Sondereinsätze hinweisen.
Hilfreich ist auch ein Vergleich der Grundlast in Nächten und an Wochenenden mit den Werten während der Betriebszeiten. Eine hohe Grundlast kann berechtigt sein, etwa bei Kühlung oder Serverräumen, sie kann aber auch auf Anlagen hindeuten, die ohne Bedarf weiterlaufen. Notieren Sie Auffälligkeiten mit Datum und Uhrzeit und besprechen Sie sie mit den Verantwortlichen für Produktion, Haustechnik oder Küche.
Eine geordnete Ansicht des Lastgangs über mehrere Monate zeigt zudem, ob sich Veränderungen im Betrieb bereits auswirken. Wer etwa neue Maschinen in Betrieb nimmt, Öffnungszeiten anpasst oder Ladepunkte installiert, sieht die Folgen in der Kurve oft früher als auf der Jahresrechnung. So lassen sich Maßnahmen rechtzeitig planen, bevor eine neue Höchstleistung den Leistungspreis für den gesamten Zeitraum festlegt.
Der Lastgang bei Ausschreibungen
Für Strom-Ausschreibungen von RLM-Kunden ist der Lastgang in der Regel unverzichtbar. Versorger kalkulieren daraus, wie viel Energie zu welchen Zeiten zu beschaffen ist. Ein gleichmäßiger Verlauf lässt sich oft anders bepreisen als ein stark schwankender. Fehlende oder lückenhafte Daten führen häufig zu Rückfragen oder Sicherheitsaufschlägen.
Bereiten Sie für eine Ausschreibung folgende Unterlagen vor. Wie wir den Prozess begleiten, erfahren Sie auf unserer Seite Energiemakler für Unternehmen.
- Lastgang der letzten zwölf Monate je Zähler
- Aktuelle Rechnung mit Zählernummer und MaLo-ID
- Hinweise auf geplante Veränderungen im Betrieb
- Ende und Kündigungsfrist des laufenden Vertrags
Weitere Informationen zum Ablauf eines Vergleichs finden Sie auf unserer Seite Energiemakler für Unternehmen.
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Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung.
